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Alfons Rissberger − Strategie Consulting
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Auszüge aus dem Lehrbuch

Alfons Rissberger u.a. – Informationstechnische Grundbildung

2. Auflage 1990, Klett-Verlag Stuttgart

(Mikro-)Computer: "Dritte industrielle Revolution"?

 

Der erste programmgesteuerte Rechenautomat, der richtig funktioniert hat, wurde im Jahre 1941 von Konrad Zuse konstruiert. Aber erst die Entwicklung der Mikroelektronik hat im letzten Jahrzehnt zu Mikrocomputern geführt, die viele Bereiche des gesellschaftlichen und beruflichen Lebens außergewöhnlich schnell und tiefgreifend beeinflusst haben und auf nicht absehbare Zeit weiter verändern werden. Selten hat sich in der Geschichte ein technisch hochstehendes Produkt so schnell und in einem solchen Umfang verbreitet. 1989 wurden alleine in der Bundesrepublik Deutschland mehr als 5 Millionen Mikrocomputer eingesetzt. In den nächsten Jahren wird die Zahl weiter zunehmen. Computer werden in fast allen Bereichen viele herkömmliche Arbeitsverfahren übernehmen. Neue Arbeitstechniken und Berufsfelder werden durch die Einsatzmöglichkeiten dieser Geräte entstehen. Wir fragen uns nach den Gründen dieser "Revolution", d. h. des schnellen und massenhaften Einsatzes des Mikrocomputers.

Zunächst ist der Computer nicht nur ein technisches Hilfsmittel neben anderen, wie z. B. ein Motor oder ein Telefon. Er ist eine sehr viel universellere Maschine, die erstmals in der Lage ist, von Menschen "vorgedachtes" und "Vorgemachtes" nachzuvollziehen und zwar an beliebiger Stelle, zu beliebiger Zeit, beliebig oft und mit einer Geschwindigkeit, die mit den "Erfahrungen der Vergangenheit" nicht in Einklang gebracht werden kann. Computer können nicht nur körperlich schwere und gesundheitlich gefährdende Arbeiten steuern und regeln, sondern auch komplexe und gefährliche Vorgänge simulieren und darüber hinaus von belastender Routine auch bei "geistiger" Arbeit befreien. Die Anwendungsmöglichkeiten gehen weit über die der "klassischen" elektronischen Datenverarbeitung hinaus: Der Computer ist ein universal einsetzbares Werkzeug und Medium geworden, das allerdings nicht nur technisch beherrscht, sondern auch geistig und ethisch bewältigt werden muss. Trotzdem ist der Computer keine "eierlegende Wollmilchsau". Man muss sich schon die Mühe machen zu unterscheiden, was Computer können oder nicht können, und was wir mit ihnen wollen oder nicht wollen.

Von einer anderen Seite beleuchtet: Keine der bisherigen industriellen Revolutionen hat im Prinzip etwas völlig Neues gebracht, was nicht in der Natur als Folge der Evolution bereits vorhanden war:

Das Ergebnis der ersten industriellen Revolution war die Erfindung von "Muskelverstärkern". Der Mensch hat hier Maschinen erfunden und entwickelt, die punktuell über das Leistungsvermögen von Lebewesen hinausreichten: Es bestand einerseits in der Evolution kein Anlass, das Spezialverhalten einer Schlagbohrmaschine oder einer Turbine zu entwickeln, andererseits verfügen Muskeln von Lebewesen insgesamt über Leistungsmerkmale, die von einer Maschine nicht oder nur unvollkommen erbracht werden können.

Die zweite industrielle Revolution war gekennzeichnet durch die Erfindung von "Aktorik- und Sensorikverstärkern", wie z. B. beim Telefon zum "weiter sprechen" (Aktor) und "weiter hören" (Sensor), also einerseits nochmals gesteigerte "übernatürliche" Leistungsmerkmale, andererseits eine noch größere Differenz zwischen den "Fähigkeiten" dieser Technik und den Lösungen in der Natur. Das Telefon als Hör- und Sprechverstärker ermöglicht Kommunikation über Entfernungen, die mit den Mitteln der Natur nicht überbrückbar sind. Aber wo haben wir die technischen Systeme, die an die Leistungsfähigkeit von Organen beim Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen und Sehen heranreichen? Auch hier ist die Natur unseren technischen Fähigkeiten insgesamt weit voraus. Aber es ist uns gelungen, mit technischen "Hilfsmitteln" naturgegebene Grenzen an vielen Stellen zu überschreiten.

Gleiches gilt – nochmals gesteigert – für die sich abzeichnende dritte industrielle Revolution durch die Erfindung von "Denkverstärkern". Zwar "besitzt" kein Computer als "Gesamtvermögen" die Denkfähigkeit eines Lebewesens – man muss hier gar nicht bis zum Menschen gehen -, aber ein Computer ist ein "Denkverstärker", wenn er von Menschen geleistete Denkarbeit in Form eines Computerprogramms, auch in Abwesenheit des Programmierers, an beliebiger Stelle, beliebig oft, unvergleichlich schneller und ohne das geringste "Vergessen" nachvollzieht und dabei den Menschen auch bei der eigenen Denkarbeit unterstützen kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein millionenfach eingesetztes Programm das Ergebnis der geistigen Arbeit eines einzelnen "Genies" oder einer größeren Gruppe ist. Entscheidend ist, dass der Anwender die im Programm enthaltene "Intelligenz" für seine eigene (geistige) Arbeit nutzen kann, ohne dass er die zugrunde liegenden Qualifikationen selbst besitzen muss.

Es mag sein, dass der Gedanke "Denkverstärker Computer" für viele von uns noch fremd ist, ja dass er oft "natürliche" Berührungsängste verursacht. Aber es handelt sich hier nicht mehr um eine Utopie. Diese "Denkverstärker" sind bereits heute eine Realität in unserer Welt. Ein Computer besitzt zwar in keiner Weise menschliches Empfindungsvermögen und ein dem Menschen vergleichbares Wissen von Welt und Umwelt; auch kann er menschliche Denkarbeit weder erfassen noch ersetzen, er kann aber in der Hand eines Menschen wertvolle Dienste für ein besseres Leben und eine bessere Umwelt leisten. Es wird beispielsweise immer klarer, dass wesentliche Probleme dieser Welt gut und dauerhaft nur mit der Hilfe von Computern gelöst werden können. viele Probleme in den Bereichen Verkehr, Energie und Umwelt gehören dazu.

Es versteht sich so von selbst, dass der "Denkverstärker Computer" auch und insbesondere dort eine besonders wichtige rolle spielt, wo "geistige Arbeit" geleistet wird, bzw. für lebenslanges Denken (und damit auch Lernen) die Grundlagen gelegt werden: in allen Bereichen der Bildung. Eine Anwendung, deren "revolutionäre" Möglichkeiten und Auswirkungen auf viele Bereiche der Bildung sich erst in Umrissen abzeichnen, ist das computerunterstützte Lernen, z. B. mit den zukünftigen Möglichkeiten von computergeregelten "Multimedia"-Systemen. Diese auf der Basis optischer Speichermedien (z. B. in der Art der heute bereits verbreiteten Musik-Compakt-Disk) aufbauenden Computersysteme könnten durch die Kombination bisheriger Medien (Schrift, Bild, Filmsequenzen, Ton) zu einem interaktiven und individuellen Lernverfahren führen und zu einer völlig neuen Qualität von Bildungsmöglichkeiten z. B. beim lückenschließenden Lernen, Üben und Test führen. Diese Anwendungen sind heute in einigen Bereichen der Fort- und Weiterbildung der Wirtschaft bereits Alltag. Modellversuche in Schulen – u. a. auch in Grundschulen – werden zur Zeit auch in der Bundesrepublik Deutschland durchgeführt, um Vermutungen über die Auswirkungen solcher Lernsysteme durch die nachvollziehbaren Ergebnisse wissenschaftlich begleiteter Erprobungen aus der Schulpraxis zu ersetzen und verantwortliche Entscheidungen zu ermöglichen.

So wie die Erfindung des Buchdrucks die Gedanken und Erfahrungen eines Autors Millionen von Lesern in einer vorher undenkbaren Weise verfügbar gemacht hat, so können zukünftig Computer-Systeme an beliebigen Stellen und zu beliebiger Zeit, exakt angepasst an das individuelle Vermögen des geistig Arbeitenden und Lernenden, die besten und bewährtesten "Rezepte" allen zugänglich machen. Wenn man diese Möglichkeiten konsequent durchdenkt und bereit ist, das Optimale für den Menschen anzustreben, dann müssen einem viele der herkömmlichen, bisher allerdings nicht anders lösbaren Verfahren gerade bei der geistigen Arbeit – und das heißt auch in der Schule – wie das Abschreiben von Büchern vor der Erfindung des Buchdrucks vorkommen.

Technikfolgen

Wir sind heute gegenüber der Technik sensibler geworden. Der Computer ist auch ein Teil der Technik. Es ist festzustellen, dass wir in der

 

Bundesrepublik bei diesem Thema vergleichsweise stark zum Problematisieren neigen, statt, wie die Menschheit der Industrieländer, die Chancen dieser dritten industriellen Revolution schnell und aktiv zu nutzen. Dabei geht es selbstverständlich auch um Einsichten in die Technologiefolgen, das heißt um die Auswirkungen der Computeranwendungen. Arbeitszeit, Kommunikationssituation, Arbeitsplatzerhaltung und gesellschaftliche-soziale Folgen sind zu beachtende Aspekt. Das Unbehagen vieler Menschen hat oft auch seinen Ursprung in zu vielen (neuen), widersprüchlichen oder unverstandenen Informationen. Dies erschwert den Überblick und trägt zur verbreiteten Desorientierung bei. Wenn aber über die Chancen und Risiken falsch oder einseitig informiert wird, dann entstehen Zerrbilder und in ihrer Folge sogar Angst: Die Argumente sowie unser Denken und Handeln werden irrational.

Insgesamt erschließt der Computer auf Dauer Chancen für die Lebens- und Umweltgestaltung, die sich Menschen schon immer gewünscht, von denen sie schon immer geträumt haben: Die Erhaltung aller wünschenswerten Güter bei weniger "aufgezwungener" Arbeit wird greifbar. Thomas Morus machte 30 Jahre nach der Entdeckung Amerikas in seinem inzwischen berühmt gewordenen Buch "Utopia" bereits den Vorschlag: "Sämtliche etwas schmutzigen oder müheseligen Arbeiten ... besorgen Sklaven ...". Wenn der Computer der jetzt verfügbare universelle Sklave ist, dann erfordert die bevorstehende Umverteilung von Arbeit und Werten gewaltige Anstrengungen nicht nur bei uns in der Bundesrepublik. Wenn heute beispielsweise 10 % der Erdbevölkerung in wenigen hochindustrialisierten Regionen 90 % der gesamten Energie verbrauchen, dann sind viele unserer "Rezepte", so sehr wir uns alle an sie gewöhnt haben und sie als "normal" und alltäglich betrachten, nicht auf den Rest der Welt übertragbar. Aber gerade hier haben wir durch den Einsatz der neuen Informations- und Kommunikationstechniken die Chance, viele Probleme besser und sinnvoller zu lösen. Es geht hier insgesamt um viel mehr, als nur um die Erinnerung daran, dass wir in Europa kaum Rohstoffe besitzen, und alleine schon die Erhaltung unseres Lebensstandards eine Weiterentwicklung im Know-how-Markt, ein Mitziehen auf internationalem Standard erforderlich macht.

Wir stehen am Anfang der "3. industriellen Revolution" auch und gerade im Büro- und Verwaltungsbereich. (Der Produktivitätszuwachs betrug von 1970 bis 1980 in der Fertigung 85 %; im Büro nur 4 %). Der klassische EDV-Einsatz in Verwaltungen betraf die Automatisierung bzw. Rationalisierung von Routinehandlungen und zielte dabei auf die informationstechnische Verarbeitung eindeutig definierter Informationen. Die dabei gesammelten Erfahren lassen sich nur teilweise auf die zunehmende Computerisierung anspruchsvollerer Problemlösungen beziehen. Viele sehen die Schrumpfung des Arbeitsvolumens durch den Einsatz von Informationstechnik ziehen daraus aber nicht den Schluss, dass diese Technik des Teufels sei, sonder dass die verbleibende Arbeit menschengerechter werden kann und gerecht verteilt werden muss.

Chancen durch Computer – ein Beispiel

Eine ganz andere Möglichkeit der Energieeinsparung und des Umweltschutzes könnte sich aus der sogenannten Teleheimarbeit ergeben, wenn Menschen mit Hilfe der neuen Informations- und Kommunikationstechniken zumindest einen Teil ihrer Tätigkeiten zu Hause erbringen und damit teilweise ein Transport zur Arbeitsstelle unnötig wird. Die bisher dagegen ins Feld geführten Argumente und Ergebnisse erster Erprobungen sind schon deshalb nicht schlüssig, weil wir im etablierten Erziehungs- und Bildungswesen für weit einfachere erwünschte Verhaltensweisen ein Vielfaches an Zeit investieren, bevor wir ein entsprechendes Verhalten erwarten. Bei ersten Versuchen mit Teleheimarbeitsplätzen, die technisch noch unvollkommen waren, hat man zu kurzfristig positive Ergebnisse und Einstellungsveränderungen erwartet.

Ausblick

Die Chips, die mikroelektronischen Bausteine der Computer-Systeme, werden immer kleiner, leistungsfähiger und preiswerter. Damit wird der Einsatz von künftigen Computergenerationen mit der zugehörigen Software vor allem noch einfacher und vielseitiger. Diese Computer-Systeme werden die Arbeit mit "künstlicher Intelligenz", z. B. mit Expertensystemen erlauben. Sie ermöglichen den Schritt von der bisherigen Daten- zur Wissensverarbeitung, bei der z. B. Sprach- und/oder Bildinformationen sinnvoll vom Computer gedeutet und dann logisch miteinander verarbeitet werden können.

Das Wissen von Menschen (Experten) mit steigender Erfahrung immer größer und wertvoller. Wenn aber ein Experte die Arbeitsstelle wechselt oder in Pension geht, dann ging bisher ein Teil seines Wissens der Arbeitsstelle, manchmal auch der ganzen Wirtschaft und Gesellschaft, verlogen. Dieses in vielen Jahren angesammelte Wissen zu konservieren und Schritt für Schritt wachsen zu lassen ist die Aufgabe von Expertensystemen, wie sie heute bereits als realisierte Stufe der sogenannten "künstlichen Intelligenz" mancherorts eingesetzt werden. Die anfangs geäußerte Angst, dass solche Expertensysteme den Menschen überflüssig machen, gilt heute als widerlegt.

"Künstliche Intelligenz (KI)"?

Um diesen Begriff nicht falsch zu verstehen, muss man um die Doppelbedeutung des englischen Begriffes "intelligence" wissen: Unter militärischer Intelligenz verstehen die Amerikaner das militärische Wissen, aber nicht die Intelligenz der Offiziere und Soldaten. Trotzdem: Mit künstlicher Intelligenz versucht man, über den Weg der symbolischen Problemlösung eine Annäherung an menschliches Verhalten, soso ein intelligentes Verhalten, zu erreichen. Teilbereiche davon bilden die natürliche-sprachlichen sowie die bild-verstehenden Computer-Systeme.

Als Paradebeispiel eines vernünftigen Einsatzes gilt ein sogenanntes "wissensbasiertes System" eines amerikanischen Computerkonzerns. Dieses System beurteilt die Kombination von Komponenten der Computersysteme nach Kundenbedarf. Selbst einer der bedeutendsten Kritiker der künstlichen Intelligenz gestand diesem System das Leistungsvermögen eines menschlichen Experten zu, da das von diesem System bearbeitete Gebiet so vielfältig ist, dass selbst erfahrene Spezialisten keinen ausreichenden Überblick mehr erreichen.

Es gibt erste Erprobungen mit Expertensystemen, bei denen z. B. ein solches System einen Werkmeister "beobachtet" und lernt, welche Entscheidungen er in welcher Situation jeweils trifft. Dabei versucht das System als "Beobachter" dann aber stets auch gleich, ein eigenes "Verständnis" dessen zu entwickeln, was dieser Werkmeister mit der jeweiligen Entscheidung wohl gerade zu erreichen versucht. Mit der Zeit könnte dieser Computer-Assistent dann anfangen, dem Meister eigene Ratschläge zu erteilen, wie etwa: "Ihre Idee, zur Behebung des vorliegenden Maschineschadens ist gut und ausführbar. Aber Sie haben vor einem Jahr eine andere Lösung gewählt: ... und könnte man das Problem nicht auf folgende Art lösen: ...". Oder: "Die Produktion der Teile auf Maschinen Nr. 4 zu verlagern, ist eine gute Idee. Aber vielleicht ist die Benutzung der Maschine 2 doch besser, weil nämlich ...".

Man könnte sich ein solches Expertensystem auch bei einem Arzt vorstellen: Dieser untersucht einen Patienten und sieht aufgrund der Befunde drei Behandlungsmöglichkeiten. Nachdem er die Befunde in ein Expertensystem eingegeben hat, nennt ihm das System weitere Therapien. Eine Möglichkeit hatte der Arzt vielleicht schlichtweg übersehen, an eine weitere Möglichkeit erinnert er sich jetzt erst zurück, er hatte sie während seiner Ausbildung einmal "erfahren", zwischenzeitlich aber "vergessen".

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit hält er im Moment für "unglaublich" (dieser Vorschlag ergibt sich vielleicht aus neuen Forschungsergebnissen, die dieser Arzt in der Fülle der Veröffentlichungen noch gar nicht gelesen haben kann). Er greift gerade diesen Vorschlag in der Diskussion mit Kollegen auf und stellt einige Wochen später fest, dass er zumindest bei diesem Patienten in so kurzer Zeit auf diese hilfreiche Alternative gar nicht gekommen wäre. Die Verantwortung für die Entscheidung, welche Behandlung nun durchgeführt wird, trägt hier – wie in allen anderen Fällen – auch zukünftig der Arzt. Das Expertensystem bietet ihm aber schnell und zuverlässig eine bedeutend höhere Zahl von Entscheidungsalternativen, als er sie selbst je behalten könnte.

Die letzte Entscheidung ei der Nutzung solcher Systeme liegt also nicht in der Hand der Expertensysteme: Der Mensch ist und bleibt ein aktiver und vitaler Teil des Prozesses zur Problemlösung. Es wird heute allgemein festgestellt, dass ein KI-System Teilaspekte von Geist und Intelligenz zwar simulieren, aber eben nicht mit Sinnverständnis nachbilden kann. Richtig verstanden, können also KI-Systeme dem Menschen wie "herkömmliche" Computer als Verstärker operationaler Intelligenz zu Diensten und bei verantwortungsbewusstem Einsatz von Nutzen sein. Daher wird heute gefordert, dass Expertensysteme nur als Entscheidungshilfe, nie als Entscheidungsträger eingesetzt werden dürfen.

Viele KI-Forscher gehen allerdings davon aus, dass unter dem Einfluss der Informatik und der künstlichen Intelligenz; die eine bisher nicht vorstellbare weitere Automatisierung erlauben, der Anteil der Bevölkerung, der in der Verwaltung und Produktion der Güter, die wir täglich benötigen, tätig ist, von momentan 50 – 60 % auf weniger als 10 % sinken wird.

Prof. Jörg Siekmann, Universität Kaiserslautern, meint z., B.: "Ich sehe den Einfluss der KI nicht nur negativ, denn sonst würde ich auch aufhören. Die Beschäftigung mit der KI ist gefährlich, das stimmt, aber zugleich auch eine wunderbare Sache. Endlich ergibt sich die Chance, die langweilige und alle menschlichen Werte beleidigende Arbeit am Hochofen oder am Fließband zu eliminieren. Arbeiten, die doch keiner freiwillig macht. Wäre es nicht hervorragend, wenn man dort einen Roboter hinstellen könnte, der diese und andere entwürdigende Tätigkeiten für uns übernimmt und damit die gleiche Menge an Gütern, d. h. an gesellschaftlichem Reichtum, produziert?"

Auch die Gewerkschaften sehen gravierende Auswirkungen des Einsatzes von Expertensystemen gerade auf die Arbeitsbedingungen der Angestellten. Aus ihrer Sicht ist es notwendig, ein Konzept zur Funktionsteilung von Mensch und Maschine zu erarbeiten, das Lernchancen in der Arbeit offen lässt, dem Erwerb und der Anwendung von Fachwissen einen hohen Stellenwert einräumt, schließlich Dispositions- und Entscheidungsbefugnisse beim Menschen belässt und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung wahrt.

Netzwerke und optische Speicher

Große Veränderungen sind in Zukunft durch die Weiterentwicklung der Netzwerke zu erwarten. Ein Vorausblick ist aber deshalb sehr schwierig, da einerseits unvorhersehbare Schwierigkeiten (technische, psychologische, ...), andererseits aber auch völlig neue Entwicklungen entstehen können, die alle heutigen Prognosen sozusagen "über den Haufen werden".

Beispiel: Seit einiger Zeit stehen große Teile des bundesweiten Telefonbuchs im Bildschirmtext (Btx) zur Verfügung, das heißt, dass jeder Btx-Benutzer ohne viele "echte" Telefonbücher bei Eingabe von Namen und Ort eines beliebigen Telefonbesitzers im Bundesgebiet als Ausgabe die Telefonnummer und sogar die Anschrift erfahren kann. Wenn tatsächlich irgendwann Btx bundesweit die heutige Verbreitung des Telefons hätte, dann könnte man auf den Druck aller Telefonbücher verzichten. Das würde auch den Verbrauch des Rohstoffes Holz mindern.

Es könnte aber sein, dass die Btx-Anwendung "Telefonbuch" und andere Datenbanken, die heute in einem zentralen Computer verwaltet und über Leitungen elektronisch genutzt werden, in wenigen Jahren durch eine neue Entwicklung überholt und ersetzt werden: Das Speichermedium CD-ROM (Compakt-Disk-Nur-Lese-Speicher). Dabei handelt es sich um eine diskettengroße (12 cm Durchmesser) Kunststoffscheibe, auf der durch ein Laser-Abspielgerät computerlesbar eine Informationsmenge von über 550 Millionen Byte zur Verfügung steht. Die Abbildungen auf der folgenden Seite machen diese Speicherkapazität "fassbar". Diese Technik ist als CD-Disk für Musik heute bereits marktüblich. Entsprechende "Plattenspieler" kosten heute bereits nur noch wenige hundert DM. Entsprechende Geräte für Computer werden bereits geliefert. Sie werden in Zukunft als Massenprodukte entsprechend preiswert zur Verfügung stehen.

Ein Telefonbuch oder ein 20-bändiges Lexikon auf einer solchen CD-ROM-Diskette erfordert aber kein "teures" Netzwerk, obwohl alle Informationen voll zur Verfügung stehen. Das bedeutet jedoch, dass Daten, die über eine bestimmte Zeit weitgehend unverändert verwendet werden, nicht dauernd im relativ aufwendigen Online-Verfahren über eine zentrale Datenbank und teure Netzwerke genutzt werden müssen. Wahrscheinlich ist sogar ein "geteiltes" Verfahren, bei dem man aktuelle Änderungen oder Ergänzungen über Datenbanken von einem zentralen Computer über ein Netzwerk "liest" und diese auf herkömmliche magnetische Externspeicher zur Ergänzung der eigenen Datenbestände sichert. Bei der späteren Anwendung merkt man gar nicht, ob die Antworten oder Teilantworten der Datenbank von der CD des optischen Speichers oder vom magnetischen Speicher (z. B. in der Form einer Festplatte) kommen.

Wissen "quer" zu verbinden ist ein wesentlicher Vorteil bei dem wohl bekanntesten Einsatzgebiet für CD-ROM, dem Lexikon im Computer. Experten nennen dieses Verfahren Hypertext.

Das Problem: In Büchern ist Information immer sequentiell gespeichert: Die einzelnen Beiträge eines Lexikons stehen hintereinander nach dem Alphabet mit Hilfe von Seitenzahlen geordnet. Dieses Ordnungssystem funktioniert, wie wir alle wissen, einfach und schnell, aber nur auf der Ebene der Suchbegriffe. Eine Information unterhalb dieser Ebene, z. B. das Finden aller Beiträge, die an irgend einer Stelle das Wort Umweltschutz enthalten, ist nur nach stunden- oder tagelanger Sucharbeit zu erhalten.

Für den Computer ist so eine Suche aber überhaupt keine Schwierigkeit. Er kann sogar zu jedem beliebigen Wort des gesamten Textes logische Brücken schlagen, die der Anwender vor der Suche nach Belieben festlegt. Der Inhalt einer Datenbank wird auf diese Weise assoziativ verknüpft, d. h. der Rechner zeigt Dinge, die zusammengehören, Begriffe, an die man denkt, wenn man ein bestimmtes Wort hört.

Vollständig neue Möglichkeiten eröffnet die Compact-Disc, wenn Audio, Video und Datenspeicher zusammenarbeiten. Möglich wird diese Zusammenarbeit durch ein einheitliches Datenformat. Musik-, Video- und CD-ROM-Disks speichern ihre digitalen Informationen auf die gleiche Weise. Das bedeutet in der Praxis: Man braucht nur ein einziges Laufwerk für Compact-Disketten, um Musik zu hören, einen Film anzuschauen oder Computerdaten zu lesen.

Aus dem Personalcomputer wird in Verbindung mit einer Stereo-Anlage und einem Video-Bildschirm eine Multi-Media-Station. Videospiele mit bisher nie gesehener Animation oder beispielsweise ein Erdkundekurs mit eingeblendetem Film- und Tondokumenten können unseren Umgang mit dem Computer vollständig verändern. Der ehemalige Datenverwalter wird zum Dialogpartner: CD-Wörterbucher zeigen nicht nur die richtige Übersetzung, sondern "sprechen" das Wort auch richtig aus. Ersatzteilkataloge enthalten nicht nur Nummern, sondern auch Bilder. Darüber hinaus demonstriert ein Film, wie man das Teil richtig einbaut.

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