dpa, 26.10.02
Internetexperte fordert Kehrtwende in Arbeitsmarktpolitik
Schwerin (dpa/mv) - Die zunehmende Nutzung des Internets in Wirtschaft
und Verwaltung lässt nach Ansicht von Alfons Rissberger, Initiator
der bundesweiten Multimedia-Initiative
D 21, die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland weiter steigen.
«Geistige Routinearbeit wird wegrationalisiert. Das wird in
den kommenden Jahren eine Million Jobs kosten. Nicht vier, sondern
fünf Millionen Menschen werden dann Arbeit suchen »,
sagte Rissberger der Nachrichtenagentur dpa in Schwerin.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) müsse deshalb für
eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik sorgen. Die Initiative
D 21 ist ein Zusammenschluss von etwa 300 führenden Firmen
und Institutionen, der Schröder volle Unterstützung zugesagt
hatte.
Rissberger forderte den Kanzler auf, der Debatte um eine Neuverteilung
von Arbeit und Wohlstand nicht auszuweichen und sich in dieser Frage
ebenfalls an die Spitze zu stellen. «Auch gegen den Widerstand
der Gewerkschaften. Denn weniger Arbeiten bei vollem Lohnausgleich
wird nicht funktionieren. Die Gewerkschaften werden sich ebenso
den Realitäten fügen müssen, wie Top-Manager, deren
Gehälter wieder auf ein akzeptables Maß zurückzuführen
sind», sagte der Multimedia-Experte und Geschäftsführer
des Landes- Datenverarbeitungszentrums in Schwerin.
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«Um effektiver zu werden und so dem Wettbewerbsdruck Stand
halten zu können, entlassen Firmenchefs und Bankenvorstände
massenhaft Mitarbeiter. Die einen werden krank, weil sie nichts
mehr zu tun haben, und die anderen, weil die Arbeit zu viel wird»,
beschreibt Rissberger die Situation. Die Folgekosten würden
über Arbeitsämter und Krankenkassen auf die Gemeinschaft
abgewälzt. Doch seien die Sozialsysteme längst überfordert.
«Die Zeiten der steten Wohlstandsmehrung sind vorbei. Wir
müssen lernen, zu teilen.»
Die vom Staat gesetzten Rahmenbedingungen würden nicht mehr
auf die globalisierten Wirtschaftsabläufe passen. «Selbst
wenn es mit den Hartz-Vorschlägen gelingt, mit so genannten
Ich-Gesellschaften Arbeitslosen eine Existenz zu schaffen, so werden
sie doch anderen Firmen Arbeit wegnehmen. Die Arbeit wird nicht
zunehmen. Schröder hat mit seiner neuen Regierung die Pflicht,
dieses Thema anzufassen und den Leuten zu sagen, dass wir als Einzelne
im Interesse aller Abstriche machen müssen», forderte
Rissberger. Neben den großen Chancen von Multimedia und Globalisierung
müssten auch die «Folgen der Folgen» bedacht werden
- wie wachsendes Wohlstandsgefälle in der Welt, Zuwanderung
und selbst Terrorismus.
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